Der Literarische Club Zürich (vormals Leseclub Hottingen)

Im GZ Hottingen, Gemeindestraße 54, 8032 Zürich

Thomas Hürlimann

Aufbruch und Heimkehr

 

Ein Gespräch mit dem Autor über Wendepunkte in seinem Leben und Schaffen, die Beschäftigung mit Gottfried Keller und die schwierige Arbeit an seinem Lebensroman, der im Herbst erscheinen wird.

 

Moderation: Ralph Müller

GZ Hottingen                                                                                  Gemeindestraße 54 8032 Zürich (mit Tram 3 bis Hottingen)

Mittwoch, 9. Mai 2018 

Beginn: 19:30 Uhr

Eintritt frei

 

Bild von Jannis Keil

  

Mit dem Erzählungsband „Die Tessinerin“ und dem Theaterstück „Grossvater und Halbbruder“ stellte sich der Dreissigjährige 1981 gleich mit zwei Werken vor, die einen unverwechselbaren, neuen Klang in die deutschsprachige Literatur brachten und das gültige, tragfähige, Fundament eines Lebenswerks bildeten, das sich reichhaltig und vielfältig aus der Geschichte der eigenen Familie entwickelte.

Thomas Hürlimann, 1950 in Zug geboren, war  Stiftsschüler im Kloster Einsiedeln, studierte Philosophie in Zürich und Berlin, arbeitete als Regieassistent und Produktionsdramaturg am dortigen Schiller-Theater und hat seit 1981 eine beeindruckende Fülle von ganz eigenständigen Bühnen- und Prosawerken vorgelegt. Die ausgedehnten Lebensphasen in Berlin führten zu einem kritischen Blick auf die Geschichte unseres Landes, aber nie zur Verleugnung seiner Wurzeln in der katholischen Innerschweiz.

 

Die Wahrheit, meinte der Doktor mit Heidegger, entbirgt sich. Das Seiende begegnet uns. Und war es nicht so? Natürlich war es so. Bisher hatte ich mir die Wirklichkeit nach meinen banalen, bürgerlichen Vorstellungen zurecht-gebogen; ich hatte mich in einer Täuschungsblase befunden, wie Platons Höhlenbewohner, und dem-entsprechend langweilig gelebt. Jetzt lief es umgekehrt. Und wie es lief! Die Welt stellte sich mir vor, dem Phänomenologen und angehenden Schriftsteller. Gemeinsam mit dem Doktor würde ich mich ganz und gar ins Staunen zurückziehen, um dort, im Niemandsland hinter dem eigenen Subjekt, den Advent der Dinge aufzusuchen. Dann würde sich die Wahrheit entbergen. Dann würde die Wirklichkeit sprechen und sich praktisch von selbst zu einem packenden Romanstoff entwickeln.

 

Aus: L’esprit de l’escalier, Vorlesung, 2007

 

 

Im Sammelband „Der Sprung in den Papierkorb“ beschreibt Thomas Hürlimann, wie er zum Autor wurde: Im ersten Text erfahren wir, wie der frühe Tod seines jüngeren Bruders ihn zum Dichter werden liess. Im letzten, aus dem der oben stehende Ausschnitt stammt, wie ihn zur gleichen Zeit sein verehrter Berliner Philosophie-lehrer, der „Doktor“, aus seiner Täuschungsblase befreite und ihm die Sicht auf das weite Land hinter dem eigenen Subjekt eröffnete. Auch die Hommage für den Doktor galt einem Toten, denn dieser war schon in den siebziger Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden.

 

 

Werke (Auswahl):

        

Die Tessinerin. Geschichten, 1981

Grossvater und Halbbruder. Ein Theaterstück, 1981

Das Gartenhaus. Novelle, 1989

Der Gesandte, Stück, 1991

Der Franzos im Ybrig, Komödie, 1996

Das Holztheater. Geschichten und Gedanken, 1997

Der grosse Kater, Roman, 1998

Das Einsiedler Welttheater. Nach Calderón de la Barca, 2000

Fräulein Stark. Novelle, 2001

Vierzig Rosen, Roman, 2006

Der Sprung in den Papierkorb. Geschichten, Gedanken und Notizen am Rand, 2008

Dämmerschoppen. Geschichten, 2009

Nietzsches Regenschirm, 2015

 

Auszeichnungen (unter anderen):

Joseph-Breitbach-Literaturpreis    (2001)

Jean-Paul-Preis     (2003)

Thomas-Mann-Preis (2012)

Hugo-Ball-Preis (2014)

Mitglied der Akademie der Künste Berlin

Ehrendoktorat der Universität Basel, 2016

 

Der Literarische Club Zürich

 

An Dichterlesungen, Autorenabenden, Literaturdebatten herrscht gegenwärtig in Zürich gewiss kein Mangel. Es werden Stars der deutschsprachigen oder internationalen Literaturszene präsentiert, manchmal wird ihr Auftritt mit ganzseitigen Zeitungsinseraten beworben. Daneben  ermöglichen zahlreiche Veranstalter an unterschiedlichen Orten Begegnungen mit heutigen Autoren.

 

Das war nicht immer so. Der Lesezirkel Hottingen, 1882 gegründet, aus dem der Literarische Club Zürich hervorgegangen ist, besaß während Jahren bis zum Beginn des ersten Weltkriegs sozusagen ein Monopol als Veranstalter literarischer Abende. Man konzentrierte sich damals und auch später auf grosse Namen, wie Hofmannsthal, Thomas Mann, Karl Kraus, Paul Valéry, Pirandello etc. Der Lesezirkel führte neben dem Vertrieb von Lesemappen mit Illustrierten und literarischen Zeitschriften eine Leihbibliothek, veranstaltete in der Tonhalle, im Grand Hotel Dolder und im Baur au Lac pompöse Kostümfeste, bei denen der gesellschaftliche Aspekt den künstlerischen Ausgangspunkt mehr und mehr umhüllte.

 

1902 wurde innerhalb des Lesezirkels als Untersektion der Literarische Club gegründet, der sich in bescheidenerem Rahmen auf das Kernanliegen der Literaturvermittlung beschränkte und auch weniger berühmte Dichter einlud, etwa den jungen Hermann Hesse. Schweizer Autoren, wie Robert Walser, Meinrad Inglin, Albin Zollinger, Ramuz sind hier im Laufe der Jahre aufgetreten.

 

Als der Lesezirkel 1941 wegen Überschuldung liquidiert werden musste, überlebte der Literarische Club. Woraus leitet er heute seine Existenzberechtigung ab? Was unterscheidet seine Abende von den vielen Konkurrenzangeboten?

 

Generell wird kein Eintritt erhoben. Die Club-Mitglieder sind mit ihrem bescheidenen Jahresbeitrag – neben der Stadt Zürich und der Stiftung Felsengrund – die Sponsoren; Gäste sind jederzeit willkommen.

Traditionell ist von den sechs bis acht Veranstaltungen einer Saison, die überwiegend schweizerischen Autoren gewidmet sind, je eine dem frankophonen und dem italienischen/rätoromanischen  Bereich vorbehalten.

Für jede Saison suchen sich die einzelnen Vorstandsmitglieder eine(n) Autor(in) oder ein Thema, verantworten und moderieren dann den Abend. Auswahlkriterium ist nicht Prominenz, sondern Qualität, Eigenständigkeit und Substanz.

 

Im Anschluss an die Veranstaltungen unterhalten sich die Anwesenden mit dem Autor, dem Moderator und untereinander in ungezwungener Atmosphäre bei einem Glas Wein.

 

Wir sind Anne Rüffer außerordentlich dankbar, dass sie unserem Club in den wunderbaren Räumen ihres Verlags Gastrecht gewährt. Am grossen ovalen Tisch wird es möglich, Literaturvermittlung in Form eines Salons zu betreiben.

 

Für den Vorstand: Ralph Müller

LITERARISCHER CLUB ZÜRICH

Salon by Rüffer & Rub

 

 

 

Das Präsidium und der Vorstand Literarischer Club Zürich (vormals Lesezirkel Hottingen)

Der Literarische Club im Internet: http://literarischerclubzerich.com und jetzt auch auf Facebook.

Auskunft und Anmeldungen für Mitgliedschaft im Literarischen Club: Waltraud Schramm, Rigiweg 4, 8604 Volketswil, Tel. 044 945 54 80

Der Literarische Club Zürich wird unterstützt von der Stadt Zürich und der Stiftung Felsengrund. Herzlichen Dank!

 

 

 

 

 

 

 

Der Literarischer Club Zürich ging aus dem legendären Lesezirkel Hottingen hervor.