Der Literarische Club Zürich (vormals Lesezirkel Hottingen)

Im Hottinger-Saal, Gemeindestraße 54, 8032 Zürich

AKTUELL



Eugen Ruge

Moderation: Ralph Müller

 

Mittwoch, 11. März 2020, 19.30 Uhr

Gemeindestraße 54 (über dem Kreisbüro 7)

8032 Zürich

 

 

Ein Gespräch mit dem Autor über seine Erfahrungen als Erforscher und künstlerischer Gestalter seiner Familiengeschichte, die eng mit den schlimmsten Phasen der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts verquickt ist. Eugen Ruge liest aus seinem neuen Roman Metropol.

 

Eugen Ruge, geboren am 24. Juni 1954 in Soswa (Ural, Sowjetunion), aufgewachsen in der DDR. Mathematikstudium, Tätigkeit am Zentralinstitut für Physik der Erde, Potsdam. Seit 1985 freier Autor, 1988 Übersiedelung in die Bundesrepublik. Übersetzungen meh- rerer Tschechow-Stücke, Autor für Theater, Funk und Film. 2011 ausserordentlich erfolgreiches Debüt als Romanautor mit In Zeiten des abnehmenden Lichts. Eugen Ruge lebt in Berlin und auf Rügen.

 

 

Werke (Auswahl)

In Zeiten des abnehmenden Lichts, Roman, 2011

Cabo de Gata, Roman, 2013

Annäherung, Reiseberichte, 2015

Theaterstücke 1986–2008, Sammelband, 2015

Metropol, Roman, 2019

 

Auszeichnungen (unter anderen):

2011 Aspekte-Literaturpreis für In Zeiten des abnehmenden Lichts 2011 Deutscher Buchpreis für In Zeiten des abnehmenden Lichts 2020 Mainzer Stadtschreiber

 

Ausschnitt aus "Metropol":

 

Moskau 1936. Charlotte, deutsche Kommunistin, Mitarbeiterin der OMS, des Geheimdienstes der Komintern, ist mit ihrem Lebensgefährten und zahlreichen Bolschewiki der ersten Stunde im Hotel Metropol interniert. Ihr Leben ist verhältnismässig komforta- bel, aber in das langweilige Warten auf eine neue Aufgabe mischt sich bald Todesfurcht, denn die Mitbewohner werden von Schergen des NKWD nach und nach abgeholt und verschwinden für immer. Die Liquidation der OMS durch Stalins Richter ist ein kleiner Teil des Grossen Terrors, der «Säuberungen», die der Diktator zwischen 1936 und 1938 durchführen lässt.

Hunderttausende von «Verdächtigen» – Wissenschafter, Militärs, Künstler, Ökonomen, Kader aller Art – werden verschleppt, gefol- tert, zum Tode verurteilt und exekutiert. Dieser stetige Verlust an Führungskräften begann die elementaren Funktionen von Partei, Verwaltung und Armee zu gefährden. Daher wurde die Intensität der Verfolgung 1938 auf Befehl Stalins reduziert, ohne jedoch ein- gestellt zu werden.

Irritiert ist sie von dem Urteil, das der Richter am nächsten Tag fällt. Dass dreizehn der siebzehn Angeklagten zum Tode verurteilt werden, überrascht nach dem ersten Prozess kaum. Eher schon, dass vier mit Gefängnishaft davonkommen...

Wie man es wendet und dreht: Irgendwas stimmt nicht in diesem Prozess. Für einen Augenblick kommt es ihr vor, als hätten sich all diese Leute abgesprochen, als führten sie einvernehmlich ein grosses Schauspiel auf, und es würde – seltsame Hoffnung – in Wirklichkeit niemand erschossen.

Natürlich ist das Unsinn. Unmöglich kann ein sowjetisches Gericht die Weltöffentlichkeit auf solche Weise betrügen. Unmöglich, dass Hunderte von Verbrechen und Sabotageakten erfunden sind, dass Hunderte Journalisten sich ihre Berichte bloss ausdenken. Dass selbst ein Lion Feuchtwanger sich so an der Nase herumführen liesse. Zweihunderttausend Menschen haben, laut Prawda, auf dem Roten Platz für die Erschiessung der Volksfeinde demonstriert! Es ist unmöglich, dass alle verrückt geworden sind, alle mitspielen, alle blind sind und nur sie, das Lottchen aus Berlin-Steglitz, als Einzige sehend. Das ist lächerlich. Anmassend. Ist sie eine schlech- te Genossin? Fehlt ihr tatsächlich das Klassenbewusstsein? Der Klasseninstinkt?

 

Am Beispiel seiner Großmutter Charlotte macht Eugen Ruge sichtbar, was Menschen in der Kapsel einer Ideologie und in blindem Vertrauen auf einen skrupellosen Despoten, hier Josef Stalin, zu glauben imstande sind. Und wie sie Zweifel, die manchmal trotzdem in ihnen aufsteigen, niederringen: Indem sie den Fehler bei sich selber suchen und sich so gegen die offensichtliche Willkür und Perfidie immunisieren.

Foto: Eugen Ruge - Copyright Asja Caspari mit freundlicher Genehmigung des Rowohlt Verlages.


Annette Kopetzki 

 

Mittwoch, 08. April 2020, 19.30 Uhr

Gemeindestraße 54 (über dem Kreisbüro 7)

8032 Zürich

 

 

Annette Kopetzki war Dozentin für deutsche Literatur und Sprache in Italien und Lehrbeauftragte am literaturwissenschaftlichen Seminar der Uni Hamburg. Sie übersetzt seit 30 Jahren italienische Belletristik und Lyrik, u.a. P.P. Pasolini, Edmondo De Amicis, Andrea Camilleri, Erri De Luca, Alessandro Baricco, Antonella Anedda und Roberto Saviano. 2019 erhielt sie den Paul-Celan-Preis für literarische Übersetzung. Außerdem veröffentlichte sie Beiträge zur Theorie und Praxis des Übersetzens in Zeitschriften und Lexika.

Am 8. April spricht sie mit Jacqueline Aerne über ihre Arbeit. Wie verwandelt sich ein Text auf seiner Reise in eine andere Sprache und Kultur? Kann die Übersetzung sizilianische, neapolitanische und römische Stimmen auf Deutsch erklingen lassen? Was muss eine Literaturübersetzerin tun, um dem Original treu zu bleiben?

 

Foto: Copyright Ebba Drolshagen

 


Die Mode in der Literatur

 

Barbara Vinken spricht über das Thema „Mode in der Literatur“. Mit ausgewählten Textbeispielen aus der deutschen der italienischen und der französischen Literatur

Moderation: Julia Knapp mit Martine Grossjean und Barbara Wanlger 

 

Mittwoch, 13. Mai 2020, 19.30 Uhr

Gemeindestraße 54 (über dem Kreisbüro 7)

8032 Zürich

 

Die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken ist eine der bekanntesten Modetheoretikerinnen unserer Zeit. In ihrem Buch „Angezogen. Das Geheimnis der Mode“ , das 2014 in der Kategorie Sachbuch / Essayistik für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde, beschreibt Barbara Vinken wechselnden Moden als ein differenziertes Zeichensystem, das die kulturellen und gesellschaftspolitischen Bedingungen der Geschlechter widerspiegelt und in ihrem Ausdruck sogar noch verstärkt.

Im Literarischen Club Zürich spricht Barbara Vinken über Mode als Stilmittel in der Literatur. Den Rock als Merkmal des Charakters zu beschreiben; das Kostüm als Symbol für einen Gemütszustand; den Anzug als Definition eines Eindrucks, den ein Mensch auf den anderen ausübt – Autorinnen und Autoren verwenden Mode oft als Stilmittel zur Charakterisierung ihrer Figuren. 

Barbara Vinken spricht unter anderem über Texte von Gustave Flaubert, Charles Beaudelaire, Marcel Proust, Vicky Baum und Gottfried Keller.

Das Gespräch wird auf Deutsch stattfinden, die kurzen Textbeispiele werden in der jeweiligen Originalsprache (deutsch, italienisch, französisch) vorgetragen


Ausblick

 

 

11. März 2020

Eugen Ruge

 

08. April 2020

Generalversammlung und über das Programm folgen demnächst die Informationen.

 

13. Mai 2020

Die Mode in der Literatur mit Babara Vinken

 


In Erinnerung: Arthur Häny (1924 - 2019)

In Gedenken.

 

Der Schriftsteller und Übersetzer Arthur Häny verstarb am 16. Juli 2019

Er präsidierte den Literarischen Club in den Jahren 1966 bis 1974.

 

Häny lebte und wirkte für das geschriebene Wort. Nach der Jugendzeit im Aargau studierte er Germanistik und Altphilologie an der Universität Zürich. Nach einer Dissertation über Friedrich Hölderlin im Jahre 1948 war er als Hauptlehrer für Deutsch und Alte Sprachen an den Gymnasien der Kantonsschulen Zürich tätig.

Mehr Informationen über sein reiches literarische Schaffen finden Sie auf Wikipedia oder in der Schweizer Nationalbibliothek in Bern.

 

Wir vom Präsidium und Vorstand des Literarischen Club Zürich denken heute sehr gerne an die Begegnungen mit Arthur Häny und seiner lieben Frau zurück und übersenden von hier aus unsere Gefühle und Dankbarkeit an die Angehörigen.

 

Der Gedichtband "Das innere Licht" von Arthur Häny erschien 2009 und ist eines der letzten Werke.

 

 


 

Haben Sie gewusst, dass Sie bei uns Mitglied werden können?

Gerne stehen wir für Fragen zu Diensten.

 

 

Das Präsidium und der Vorstand Literarischer Club Zürich (vormals Lesezirkel Hottingen)

Der Literarische Club im Internet: http://literarischerclubzerich.com und jetzt auch auf Facebook.

Auskunft und Anmeldungen für Mitgliedschaft im Literarischen Club: Waltraud Schramm, Rigiweg 4, 8604 Volketswil, Tel. 044 945 54 80

 

Der Literarische Club Zürich wird unterstützt von der Stadt Zürich und der Stiftung Felsengrund. Herzlichen Dank!