Der Literarische Club Zürich (vormals Lesezirkel Hottingen)

Im Hottinger-Saal, GZ Hottingen, Gemeindestraße 54, 8032 Zürich


Nach der Veranstaltung sind Sie jeweils herzlich zu einem Apéro eingeladen und zum Gespräch mit unseren Kultur-Gästen.


Nächste Veranstaltungen


08. Feburar 2023 um

19:30 Uhr

 

Zora del Buono

 

Lesung und Gespräch

Moderation: Josef Estermann

 

 

 

Zora del Buono ist in Zürich aufgewachsen. Sie besitzt Wurzeln auch in Slowenien und Apulien. Seit ihrem 25. Altersjahr lebt sie in Berlin, in den letzten Jahren aus familiären Gründen vermehrt in Zürich.

 

Zora del Buono studierte Architektur an der ETH und der Hochschule der Künste in Berlin. Sie arbeitete fünf Jahre als Bauleiterin im Nachwende-Berlin, gründete mit Freundinnen und Freunden das Kulturmagazin «mare», wandelte sich zur Kulturredaktorin, reiste und schrieb. 

 

Seit 2008 lebt sie als freie Autorin. 2008 bis 2011 erscheinen im Marebuchverlag Canitz’ Verlangen, Big Sue und Hundert Tage Amerika. Begegnungen zwischen Neufundland und Key West. 2015 veröffentlichte sie in der Reihe Naturkunden bei Matthes & Seitz den Band Das Leben der Mächtigen – Reisen zu alten Bäumen. 2015 erschien bei C.H.Beck ihre Novelle Gotthard und 2016 der Roman Hinter Büschen, an eine Hauswand gelehnt. 2020 schliesslich erschien in verschiedenen Auflagen und Übersetzungen ihr großer Familienroman «Die Marschallin».

 

 

 

Pressestimmen zu:

 

Gotthard

 

Zora del Buono schreibt die perfekte Novelle.

(Richard Kämmerlings in Die Welt)

Zora del Buono schreibt … in klarer, eindringlicher Prosa. Schaut den Menschen in kurzen Sätzen in die Seele. Wortfirlefanz liegt ihr nicht. Und so gelingen ihr bedrängende, mit Leben, Lüsten und Ängsten aufgeladene Szenen. Im Berg und um ihn herum.

Gabriele von Arnim in Deutschlandfunk Kultur

 

Das Leben der Mächtigen – Reisen zu alten Bäumen

 

Clever, witzig und auf vielfältige Art lehrreich. Intelligente Unterhaltung vom Feinsten.

Hans Durrer in Across Cultures

 

Ein lehrreiches und pfiffig geschriebenes Buch, das einem immer wieder ein staunendes «Wow» entlockt. Allen grossen und kleinen Baumriesen wird man in Zukunft mit Ehrfurcht begegnen.

Karin Salm in SRF Kultur

 

Die Marschallin

 

So etwas Gutes wird selten geschrieben … Das ganze verrückte 20. Jahrhundert.

Einen lebenssatteren Roman mit lebendigeren und pralleren Figuren kann man derzeit in der deutschen Literatur kaum lesen als Zora del Buonos «Die Marschallin».

Elke Heidenreich in Spiegel Kultur

 

Eine große Familiengeschichte und das Taumeln der Ideologien im 20. Jahrhundert …: Der atemberaubende Roman «Die Marschallin» der Schweizer Schriftstellerin Zora del Buono.

Fritz Göttler in Süddeutsche Zeitung

 

 

Ausschnitte aus «Die Marschallin»

 

Bovec, Mai 1919

 

Wann hatte sie angefangen, ihre Mutter zu hassen? An dem Tag, als die Mutter sie verliess? Als der Vater sie frühmorgens anherrschte, sie solle sämtliche Schuhe, die nicht der Mutter gehörten, in die Stube bringen, ihre eigenen, die von den Brüdern und auch seine, und zwar zackig!, um dann mit ausgreifenden, rhythmischen Bewegungen die glatten Sonntagsschuhe, die feinen und die weniger feinen Stiefeletten, die Pantoffeln, die Landarbeitsschuhe und die Fellstiefel mit dem Besen aus den Hausflur auf die Strasse zu fegen und immer weiter zu fegen, auch als längst kein Krümel mehr auf dem Boden zu sehen war? Zwölf Damenschuhe lagen zwischen plattgefahrenen Pferdeäpfeln vor ihrer Haustür, damit alle sehen konnten, dass Marija mehr Schuhe besass als jede andere Frau im Dorf, was sowieso jeder wusste. Damit alle sehen konnten, was Marija aufgegeben hatte. Zwölf weggefegte Schuhe bedeuteten aber auch: Mutter war mit kleinem Gepäck gegangen. … (S. 15)

 

Fünf Monate war Marija weggeblieben. Vom ersten Tag an hatte Cesaro seiner Tochter klargemacht, dass jetzt sie die Frau im Hause sei, was das achtjährige Mädchen fraglos akzeptierte der Vater hatte deutlich gesagt, man wisse nicht, ob die Mutter jemals wieder zurückkehre, und nein, sie habe ihm nicht erzählt, wohin sie gehe. Nur tot, das hatte er den Kindern eingebläut, tot sei sie nicht, das wisse er mit Sicherheit. Tot ist sie nicht, hatten Franc, Zora und Ljubko einander immer wieder zugeraunt, wenn ihre Sehnsucht nach der Mutter zu gross wurde. An diese hoffnungsfrohen, im Laufe der Monate verzagter werdenden Flüstereien erinnerte Zora sich, als sie jetzt auf der Brücke an Ljubko vorbeifuhr, der kein wimmerndes Kind mehr war, das nachts in ihr Bett geschlichen kam, um bei der älteren Schwester Trost zu suchen. Manchmal hatte er nach Honig gerochen, morgens klebte ihr Haar, weil er seinen Honigmund darin vergraben hatte. Irgendwann hatte sie beim Putzen (die Frau im Haus!) einen Honigtopf unter seinem Bett gefunden und gemerkt, dass es im Lebe des kleinen Ljubko eine Reihenfolge des Getröstetwerdens gab und sie am Ende der Rettungsleiter stand: Daumen nuckeln, Hasenfell streicheln, Honig naschen, zu Zora kriechen. Gross war er geworden, dachte sie, und stark, wie er da neben der mit Steinbrocken gefüllten Schubkarre stand, lässig eine Zigarette rauchend, ein Jüngling mit kastanienbraunem Haar, bergbachklaren Augen und kräftigem Knochenbau, wie alle in der Familie – oder fast alle. …

(S. 16/7)

 

 

Nova Gorica, Februar 1980

 

… hätte ich bei ihm bleiben sollen, in einem Bett liegen mit einem Mann, der jeden Morgen neben einer Fremden aufwacht, dich verblüfft ansieht, auch keck, als ob du ein Abenteuer seist, und liebenswürdig fragt: Signorina, gestatten Sie, dass ich rauche? Rührend ist das. Aber reicht Rührung aus für ein geteiltes Leben? Hier steckt das ganze Haus voller sklerotischer Greise, ich sehe ihre starren Augen, diese Hohlheit, diese Leere. All die abgestorbenen Gehirnwindungen, die Ödnis im Kopf, die Schwärze … Hätte ich bei solch einem Mann bleiben sollen? Bei ihm, der mich mit unseren Toten alleine lässt und mit allem sonst, auch mit unserer Schuld, die jetzt nur noch meine ist? Vor allem damit hat er mich allein gelassen. Ich wollte mir wenigstens die schönen Erinnerungen nicht stehlen lassen, ich wollte unsere gemeinsame Geschichte im Glanz sehen, nahezu sechzig Ehejahre! Also bin ich gegangen, in meine alte Heimat, wo auch der Marschall lebt, weg von meinem Mann, bevor das reale Bild das andere abgetötet hätte; die Einsamkeit, müssen Sie wissen, die Einsamkeit wird immens, wenn man zu zweit ist und einer sich selbst und den anderen verlassen hat im Geist. Senile sehen einen nicht mehr, sie sehen nur sich, und auch das nur partiell. (S. 326/7)

 

 

© Foto: Stefan Bohrer Hände


Ausblick

08. März 2023 um 19:30 Uhr

Hottingersaal Zürich

 

Karl Rühmann

 

Lesung und Gespräch

Moderation: Annette König

 

 

"Die Wahrheit, vielleicht"

Roman

 

Felipe ten Holt hat immer schon zwischen verschiedenen Welten gelebt: als Sohn einer Spanierin und eines Niederländers; als Zielscheibe der Eifersucht seines Stiefvaters, der ihm den Weg zur Mutter versperrt; als Verhörspezialist, der die Wahrheit im Dickicht aus Worten und Gesten, Täuschung und Enthüllung sucht.

 

Nach einigen beruflichen und privaten Rückschlägen hofft Felipe seinen inneren Frieden in der Arbeit als freier Dolmetscher zu finden. In diesem Beruf ist er zwar – so seine Hoffnung – für die Kommunikation zuständig, aber nicht für deren Folgen. Das soll sich aber als eine Illusion erweisen.

 

Felipe sucht Zusammenhänge, Verbindungen zwischen Menschen, Dingen, Gedanken, Problemen. Seine Suche ist bezeichnend für eine Zeit, in der man vernetzt vereinsamt und allen Ortungsapps zum Trotz immer wieder die Orientierung verliert.

 

Karl Rühmann wurde 1959 in Jugoslawien geboren und wuchs dort auf. Er studierte Germanistik, Hispanistik und Allgemeine Literaturwissenschaft in Zagreb und Münster und war Sprachlehrer und Verlagslektor. Heute lebt er in Zürich als Literaturübersetzer und Autor von Romanen, Hörspielen und zahlreichen, international erfolgreichen Kinderbüchern.

Sein Roman »Der Held« war nominiert für den Schweizer Buchpreis 2020. Für seinen ersten Roman »Glasmurmeln, ziegelrot« wurde Karl Rühmann 2015 mit dem Werkjahr der Stadt Zürich ausgezeichnet.

Publikationen, die nicht bei rüffer&rub erschienen:»Der alte Wolf« (2019), »Eine wundersame Reise« (2018), »Komm mit zum Fluss« (2017), »Leseglück« (2015), »Wer bist denn du?« (2010) u. a.

 

 

Foto © Franz Noser - Rüffer & Rub Verlag


 

12. April 2023 um 19:30 Uhr

 

Warum die Mimi nie ohne Krimi ins Bett geht

 

Gepsräch mit Judith Hödl, Medienchefin der Stadtpolizei Zürich und Krimileserin und Peter Hänni, Krimautor und Arzt.

Moderation: Urs Heinz Aerni

 

Es war ein Riesenhit in den 1960er Jahren von Bill Ramsey und in der Tat, bis heute feiert der Kriminalroman einen Bestseller nach dem

anderen, ist der TV-Krimi am Sonntagabend für viele ein fixer Termin. Auch im Schweizer Fernsehen sorgten Serien wie «Bestatter» und «Wilder» für Traumquoten.

 

Judith Hödl arbeitet seit vielen Jahren bei der Zürcher Stadtpolizei und ist heute die Medienverantwortliche. Es kommt immer wieder vor, dass sie auch Autorinnen und Autoren von Kriminalromanen Auskunft gibt, wie es im richtigen Alltag bei der Polizei zu und her geht. Sie liest selber gerne Krimis.

 

Peter Hänni, 1958 in Bern geboren, in Solothurn Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten und für Hals- und Gesichtschirurgie, lebt im Berner Jura in Grandval. Er schrieb mehrere Kriminalromane wie  «Annas Blut», «Samenspende», «Freitod, der 13.», «Boarding Time» und zuletzt «Belchen Tunnel».

 

Zum aktuellen Roman "Belchentunnel"

Würden Sie eine Autostopperin mitnehmen, die vor dem Belchentunnel auf dem Pannenstreifen steht? Am 26. September 1983 steigt dort eine bleiche Frau ins Auto von zwei Studentinnen. Im Tunnel prophezeit die Frau, etwas Schreckliches werde passieren, dann verschwindet sie, ohne dass das Auto angehalten hätte.

 

Am 11. September 2019 ist Tom mit seinem alten VW-Bus auf der Autobahn A2 unterwegs. Obwohl er nicht an Geister glaubt, versichert er sich vor dem Belchentunnel, dass alle Türen verriegelt sind. Eine Stunde später wird Tom, bisher ein unbescholtener Mann, in Hägendorf zum Doppelmörder.

 

Brisante Themen in einen überzeugenden Krimiplot verpackt, lebensechte Dialoge, lakonischer Humor, viel Lokalkolorit, das zeichnet Peter Hännis Romane aus. Alle waren sie Bestseller, «Samenspende», «Freitod, der 13.», zuletzt «Boarding Time».

 

Peter Hänni, wenn er nicht an Krimis schreiben ist.


10. Mai 2023 um 19:30 Uhr

 

Minu Ghedina

"Korrektur des Horizonts"

 

Lesung und Gespräch mit Elisabeth Boner

 

 

Geboren 1959 in Klagenfurt, aufgewachsen in Innsbruck. Studierte Germanistik und Schauspiel. Nach mehreren Jahren Arbeit an verschiedenen Theatern und beim Film Studium der Bildhauerei bei Alfred Hrdlicka an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Ausstellungen im In- und Ausland. Ihr Stück „Essiggurken“ erhielt eine Förderung der Stadt Berlin und wurde dort aufgeführt. Ihre Gedichte erschienen in Literaturzeitschriften. Hilde-Zach-Förderstipendium der Stadt Innsbruck 2020 für den Beginn ihres Debütromans „Die Korrektur des Horizonts“

 

Zum Roman:

 

Ada spürt früh, dass ihr Platz im Leben auf äußerst wackligem Untergrund steht. Was bei anderen funktioniert, gilt für sie nicht; was in Kinderbüchern über „Vater, Mutter, Kind“ steht, ist ihr fremd. Das sensible Mädchen baut sich eine eigene Bilderwelt und rettet sich in die Schönheit, die ihr als einzige Möglichkeit erscheint, den Irritationen von außen etwas entgegenzuhalten. Wie in einem Tarnkleid tastet sie sich durch die Kindheit und muss immer wieder ihre Welt korrigieren. Ihre Großmutter, bei der sie aufwächst, bietet ihr eine Heimat und eröffnet ihr als Schneiderin auch die wunderbare Welt der Stoffe, der Farben, der Weichheit, der glatten Kühle, des Schimmers, der Spitzen und Bordüren. Ein Theaterbesuch wird zum Schlüsselerlebnis, denn Ada spürt sofort: Dies ist mein Ort. Sie wird eine erfolgreiche Kostümbildnerin, erlebt aber auch Tiefschläge, lernt die falschen Männer kennen und kämpft sich aus ihrer schmerzhaften, verworrenen Geschichte. Ihre Stärken werden stärker, aber die Schwächen bleiben. Als sie am 11. September nach Hause kommt, stürzt auch ihre Welt zusammen, „hier und dort und innen und außen“. Erneut verschiebt sich der Horizont und bedarf einer Korrektur.

Pressestimmen:

 

Es sind Themen der bildenden Kunst wie Farbe, Stofflichkeit, Schönheit, die Ghedinas Sprache zum Leuchten bringen, fast haptisch erlebbar machen. Bildmächtig und poetisch erzählt sie davon, wie sehr die Kindheit ein Leben prägt und wie bereichernd die Zauberwelt des Theaters sein kann.

Karin Waldner-Petutschnig, Kleine Zeitung

 

Minu Ghedinas Roman ist eines der bildreichsten und emotionalsten Bücher, die ich jemals gelesen habe. Adas Geschichte, ihre Entwicklung vom Kind zur jungen Frau berührte mich zutiefst. Leser:innen können sich sehr gut in Adas Gefühlswelt hineinversetzen und fühlen lange mit. Ein sprachliches Meisterwerk (…).

Tamara Schatajew, AEP Informationen – Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft

 

2022
ISBN: 978-3-7013-1297-9
508 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Otto Müller Verlag

 

 


14. Juni 2023 um 19:30 Uhr

 

Informationen folgen.


 

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Das Präsidium und der Vorstand Literarischer Club Zürich (vormals Lesezirkel Hottingen)

Der Literarische Club im Internet: www.literarischerclubzerich.com und jetzt auch auf Facebook.

Auskunft und Anmeldungen für Mitgliedschaft im Literarischen Club: Waltraud Schramm, Rigiweg 4, 8604 Volketswil, Tel. 044 945 54 80

 

Der Literarische Club Zürich wird unterstützt von der Stadt Zürich und der Stiftung Felsengrund. Herzlichen Dank!